Aufruf zum Mord: Bajszel-Betreiber*innen auf Flugblatt mit dem Tod bedroht
In der Nacht zum 1. Oktober 2025 wurden in Neukölln Plakate verklebt, auf denen die Betreiber*innen der ProgrammSchänke Bajszel mit roten Dreiecken markiert werden – einem Symbol, das in Hamas-Propagandavideos zur Kennzeichnung von Angriffszielen genutzt wird und spätestens seit dem 7. Oktober 2023 weltweit als Mordmarkierung bekannt ist. Zugleich erinnert es an die NS-Verfolgungszeichen, mit denen Menschen in Konzentrationslagern stigmatisiert wurden.
Das Bajszel, das aufgrund der anhaltenden antisemitischen Bedrohungen und Angriffe inzwischen unter Polizeischutz steht, wurde seit Mai 2024 regelmäßig unter Verwendung dieses Symbols markiert. Trotz der eindeutigen Gewaltaufforderung und des Hamas-Bezugs wird dessen Verbreitung in Deutschland kaum strafrechtlich verfolgt. Statt es als Aufforderung zur Gewalt ernst zu nehmen, haben die Strafverfolgungsbehörden durch Duldung im öffentlichen Raum zu seiner Normalisierung beigetragen. Ganz in diesem Sinne wurden auch die Angriffe auf das Bajszel lange Zeit als „Sachbeschädigung“ bagatellisiert.
Dass das rote Dreieck keine harmlose Schmiererei, sondern eine Feindmarkierung in der Logik der Hamas wie in der Tradition des Nationalsozialismus ist, stellt das vorliegende Plakat ganz offen unter Beweis: Es ist ein Steckbrief mit der Aufforderung: „Make Zionists afraid“. Durch die fotografische Darstellung und die namentliche Nennung der prospektiven Angriffsziele wird unmissverständlich zur Gewalt gegen die Betreiber*innen aufgefordert: „They should not feel safe anywhere in Berlin“. Mehr noch: Hier wird, um ein Exempel zu statuieren, zu einem Mord aufgerufen: „Wir wollen, dass diese drei für immer schweigen und als Warnung für alle Zionisten in Berlin und Neukölln gelten können“.
Es ist kein Zufall, dass er ausgerechnet am Vorabend von Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, ausgesprochen wurde. Auch die zeitliche Nähe zum 7. Oktober, an dem sich der barbarische Überfall der Hamas auf Israel zum zweiten Mal jährt, ist nicht grundlos gewählt. Hier wird bewusst mit Symbolen und Daten gearbeitet, die maximale Angst und Einschüchterung erzeugen sollen. Gleichzeitig inszenieren die Täter antisemitische Gewalt als Teil einer internationalen Strategie.
Die Bagatellisierung hat Täter*innen ermutigt, immer aggressiver vorzugehen. Ungestraft können sie pöbeln, beleidigen, Steine werfen, offene Angriffserklärungen an Wände schmieren, in Kleingruppen und auf Demos vor den Augen der Polizei antisemitische Parolen rufen sowie zur Zerstörung des jüdischen Staates und seiner „Agenten“ aufrufen, filmen und bedrohen. Vor einem Jahr, im Oktober 2024, konnten sie sogar ohne strafrechtliche Konsequenzen einen Brandanschlag auf das Bajszel verüben. Ein Angriff, bei dem nicht nur billigend in Kauf genommen wurde, dass Menschen verletzt oder getötet werden, sondern dies sogar durch Verkleben des Schlosses der Eingangstür intendiert wurde.
Das Bajszel steht im Fokus dieser extremen Einschüchterungsversuche, weil dort regelmäßig Veranstaltungen gegen Antisemitismus stattfinden. In Zeiten, in denen Jüdinnen und Juden zunehmend angegriffen und aus der Öffentlichkeit verdrängt werden, ist es einer der wenigen Orte in Berlin, wo sie und ihre Verbündeten sich offen zeigen und äußern können, ohne Gefahr zu laufen, ausgeschlossen und verfolgt zu werden.
Die repressive Toleranz gegenüber antisemitischer Gewalt, die Untätigkeit und Bagatellisierung von Angriffen gegen diesen wertvollen Ort der Freiheit und die Bedrohung all jener, die ihn tagtäglich verteidigen, ist nicht länger zu dulden.
Wir fordern:
- die konsequente Ermittlung und Strafverfolgung derjenigen, die diese Morddrohungen verbreitet haben. Es darf keine Ruhe geben, bis die Täter*innen ermittelt und zur Verantwortung gezogen wurden
- nachhaltigen Schutz für das Bajszel, seine Betreiber*innen, das Team, die Gäste: baulich, technisch, personell – nicht nur symbolisch.
- dass Politik und Sicherheitsbehörden antisemitische Gewalt endlich so behandeln, wie sie gemeint ist – als Todesdrohung. Es ist ein Angriff, der sich gegen die Sicherheit von Jüdinnen und Juden richtet und damit auch all jene meint, die für freiheitliche Werte und eine demokratische Zivilgesellschaft eintreten
Im Bajszel gibt es fünf Biere vom Fass, tolle Leute, gute Musik und stabile Preise. Aber es ist auch ein Ort der Aufklärung und des Widerstands gegen Hass. Wer diesen Ort angreift, greift uns alle an.
Wir lassen uns nicht einschüchtern. Unsere Solidarität gilt dem Bajszel, seinen Betreiber*innen, seinem Team und allen, die sich Antisemitismus und Terror entgegenstellen!
