Solidarität mit dem Buchladen zur schwankenden Weltkugel

Im Kampf gegen Antisemitismus ist man einigen Irrsinn gewohnt. Als Laden, der sich gegen israelbezogenen Antisemitismus und Islamismus einsetzt, muss man bekanntermaßen mit verbalen wie physischen Angriffen rechnen. So ergeht es auch dem Buchladen zur schwankenden Weltkugel“. Nach dem 7. Oktober 2023 setzte er sich für die Freilassung der Geiseln der Hamas und gegen Antisemitismus ein und war infolgedessen regelmäßigen Verleumdungen ausgesetzt – insbesondere von vermeintlichen „Linken“, die in üblicher Täter-Opfer-Umkehr aus dem antisemitischen Massaker einen Befreiungskampf „der Palästinenser“ und aus dem Krieg in Gaza einen Genozid „der Israelis“ konstruieren.​

Jene Buchhandlung, die sich durch Literatur gegen Antisemitismus positioniert und hierfür anhaltend antizionistisch angegriffen wird (freilich ohne dass dies je Verfassungsschutz, Polizei, Politik oder Behörden zum Handeln bewogen hätte) wurde nun von Kulturminister Weimer von einer Nominierungsliste des deutschen Buchhandelspreises gestrichen. Der Verdacht: der Buchladen sei verfassungsfeindlich.​

Es ist zum Haareraufen: Während der Staat seit Jahren unter Verweis auf Wissenschafts-, Meinungs-, Kunst-, Religions- und Versammlungsfreiheit antisemitische Desinformation und Bedrohung duldet, geraten ausgerechnet jene unter Verdacht, die sich mit den Mitteln der Aufklärung gegen Antisemitismus engagieren.​

Jene, die antisemitische Ressentiments und verschwörungsideologische Mythen verbreiten, erhalten trotz lautstarker Klagen über angebliche „Zensur“ nicht selten sogar öffentliche Förderung oder Auszeichnungen. Dadurch wird ihr Wirken vom Staat als Wissenschaft oder Kunst bestätigt.​

Zynischerweise wird auch die aktuelle Debatte dazu genutzt, um –je nach politischer Agenda –, entwederAntisemitismus vor staatlicher Zensur zu schützen oder den autoritären Eingriff unkritisch zu befürworten – denn da wird schon etwas dran sein. Dem Buchladen zur schwankenden Weltkugel wird in beiden Fällen Unrecht getan.​

Das Vorgehen von Weimer ist nicht deshalb zu kritisieren, weil der Staat überhaupt in die Vergabe von steuersubventionierten Preisen eingreift. Es wäre vielmehr zu begrüßen, würden Akteuren, die antisemitischen Hass oder Desinformation verbreiten, staatliche Mittel entzogen. Im Falle des Buchladens zur schwankenden Weltkugel wird jedoch ein Ort der Aufklärung abgestraft, der mutig gegen den Antisemitismus der Gegenwart eintritt.​

Unabhängig davon hätte die „schwankende Weltkugel“ den Preis des Deutschen Buchhandels auch aus einem ganz anderen Grund verdient: Sie ist eine von klugen, belesenen Frauen geführte, liebevoll eingerichtete und modern ausgestattete Buchhandlung mit einem sorgfältig kuratierten Sortiment, sachkundiger Beratung und exzellentem Bestellservice – und das seit vielen Jahren.​

​Die regelmäßige Ausrichtung von Bücherständen bei Masiyot-Veranstaltungen sowie die schnelle und unbürokratische Bereitstellung von Publikationen der Gesellschaft für kritische Bildung machen sie zu einem wichtigen Partner im Einsatz für Aufklärung und kritische Bildung.

Wir fordern daher die sofortige Rücknahme der Diffamierung und die erneute Nominierung der „schwankenden Weltkugel“ für den Deutschen Buchhandelspreis.

Wer praktisch solidarisch sein möchte, dem sei ein Besuch empfohlen, ob nun vor Ort im Prenzlauer Berg oder online auf der Homepage, wo sich Bücher bestellen und nach Hause liefern lassen



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