We shall never surrender!
Erneut kam es in den zurückliegenden Tagen – am Montag, den 7.4.25 und am Mittwoch, den 9.4.25 – zu schweren Angriffen auf unseren treuen Kooperationspartner, die „ProgrammSchänke“ Bajszel.
Die Polizei schaut tatenlos zu
Am Montag riefen eine Jugendliche und eine junge Frau, die „Palästinenserflagge“ hochhaltend, in Richtung eines Bajszel-Mitarbeiters „Ihr seid Kindermörder“, „Fuck Israel“ und „Kindermörder Israel“. Der Wachschutz der Polizei, der seit dem Brandanschlag im Oktober 2024 vor der Kneipe stationiert ist, intervenierte nicht. Es bedurfte eines Teams von Securities, das aufgrund einer Lesung von Anetta Kahane, Jüdin und Gründerin der Amadeu-Antonio-Stiftung, vor Ort war, um die beiden Angreiferinnen festzuhalten. Unter den Augen der untätigen Polizei, die mehrfach aufgefordert wurde, zu Hilfe zu kommen und vorgab, von dem Angriff nichts mitbekommen zu haben, wurde ein Mitarbeiter, da er „Jude“ und wir alle „Israelis“ seien, als „Kindermörder“ erneut beschimpft und ihm wurde der Mittelfinger entgegengestreckt. Es gelang den beiden Angreiferinnen sogar, ohne dass dies von der Polizei unterbunden wurde, per Handy Verstärkung zu rufen, die versuchte, die beiden Angreiferinnen mitzunehmen.
Weitere Passanten solidarisierten sich mit den Angreifern und begannen zu filmen, teils unmittelbar vor dem Gesicht der Betroffenen. Auch dies war kein Grund für die Polizeimitarbeiter, einzuschreiten. Erst als ein Security-Mitarbeiter den Notruf tätigte, kam Verstärkung von der Polizei, die die Situation – mit weiterer Verstärkung – letztlich unterband und die Personalien der Angreiferinnen aufnahm.
How far can we go?
Wie weit man beim Ausagieren antisemitischer Ressentiments unter den Augen der Polizei gehen kann, scheint damit auch anderen Angreifern unter Beweis gestellt worden zu sein.
Und so nimmt es kaum Wunder, dass es zwei Tage später einem islamistischen Streamer gelang, eine spontane Kundgebung gegen das Bajszel zu organisieren, auf der zur Vernichtung Israels aufgerufen wurde. Anlass war eine Veranstaltung, die sich kritisch mit dem Begriff des „antimuslimischen Rassismus“ auseinandersetzte. Nachdem „der-X-Berger“, wie der Streamer sich auf Social Media nennt, die Veranstaltung störte und sie mit Verweis auf das Hausrecht verlassen musste, rief er in seinem Stream zu einer Demo auf. Die (freilich erlogene) Begründung: Er sei rassistisch beleidigt worden. Im Aufruf störte er sich insbesondere an der Charlie-Hebdo-Karikatur seines „geliebten Propheten“, die auf der Veranstaltungsankündigung abgebildet war. Etwa 20–30 Menschen aus dem islamistischen und linken Spektrum versammelte sich daraufhin vor dem Bajszel und skandierten „Tod Israel“.
Täter-Opfer-Umkehr und Aufruf zum Mord
Dass die Kritik am „antimuslimischen Rassismus“ von einem Podium ausging, das vornehmlich selber Migrationshintergrund hat – Ali Toprak, Tugay Sarac, Güner Balci und Rebecca Schönenbach – scheint für Antisemiten linker und islamistischer Provenienz eine besondere Provokation zu sein, begehren doch hier Menschen, die selbst von Rassismus betroffen sind, gegen einen islamistischen Kampfbegriff auf. Der sodann vom „X-Berger“ und seinen Anhängern unter Beweis gestellten Täter-Opfer-Umkehr entsprechend – wird dieser genutzt, um jeden, der sich dem Islamismus widersetzt, zum Rassisten zu erklären und damit mundtot zu machen. Dies hat der Begriff mit seinem Vorgänger gemein, dem durch Ayatollah Khomeini eingeführten Vorwurf der „Islamophobie“, der im Zuge der islamischen Revolution dazu genutzt wurde, Frauen, die sich dem Kopftuchzwang widersetzten, zu den eigentlichen Täterinnen umzudeuten. Die Referenten des Podiums unterdessen stellen klar, dass es gerade die Mädchen und Jungen aus muslimischen Familien sind, die unter den rigiden Ehrkodizes leiden und sich dagegen mutig auflehnen.
Der „sozialistische Djihad“?
Dies hält einige sich progressiv dünkende Linke nicht davon ab, mit dem Verweis, es sei hier Rassismus am Werk, den „sozialistischen Djihad“ zu fordern – wie durch die an der Demo beteiligte Gruppe „Jugend für Sozialismus“ geschehen. Bei dieser Querfront, die in Frankreich bereits den Begriff des „Islamogauchisme“ hervorgebracht hat, handelt es sich um eine hochgradig aggressive Melange aus linken und islamistischen Antisemiten.
Die Sprechchöre ließen nicht umsonst das an der antisemitischen Ritualmordlegende gebildete „Kindermörder Israel“ und „Frauenmörder Israel“ verlauten, aber auch „Viva Intifada, Viva Palästina“ oder „Palästina ist arabisch“. Und mit Blick auf die „Lügenpresse“: „Axel Springer muss hängen“.
Die Botschaft ist klar: Der einzige jüdische Staat – er muss weg! Und mit ihm seine „zionistischen Agenten“, wie es dieser antisemitischen Wahnvorstellung entsprechend das kleine Bajszel in Neukölln ebenso ist wie der Axel-Springer-Konzern.
Repressive Toleranz
Es ist dasselbe Muster wie bei den vorangegangenen Angriffen: Die Täter testen aus, wie weit sie gehen können. Werden sie nicht zur Verantwortung gezogen, gehen sie immer weiter. Jede Eskalationsstufe ist ein Tabubruch, der, ohne dass ihm seitens der Sicherheitsbehörden Einhalt geboten würde, weitere und schwerere Taten folgen. Sie können pöbeln, beleidigen, Steine schmeißen, offene Angriffserklärungen an Wände schmieren, denen ein Brandanschlag folgt. Sie können nun in Kleingruppen und auf Demos vor den Augen der Polizei antisemitische Parolen rufen und zur Zerstörung des jüdischen Staats und seiner „Agenten“ auffordern, Mitarbeiter filmen, beleidigen und bedrohen.
Diese repressiven Toleranz ebnet den Boden für weitere Angriffe – nicht zuletzt auf jene Migrantinnen und Migranten, die – wie auf dem besagten Podium – an einer friedlichen Koexistenz von Menschen verschiedener Herkunft, Religion, Kultur oder Hautfarbe festhalten.
Dass das Bajszel sich indessen wehrt und wappnet gegen die Angriffe der Gegenaufklärung wird dadurch deutlich, dass es trotz des vielfachen Versagens der Polizei gelungen ist, Straftaten zur Anzeige zu bringen und Leib und Leben von Mitarbeitenden, Gästen und Vortragenden zu schützen. So zeigen die Vorkommnisse der letzten Tage, dass Schutzmaßnahmen durch die ProgrammSchänke Bajszel ergriffen werden, um diese kleine Oase für Menschen, die von Antisemitismus bedroht sind, in Neukölln zu verteidigen. Die Feinde der Aufklärung, sie dürfen nicht siegen.
We shall never surrender!